Lesebericht 2012

Kleinste Ernte seit mehr als 50 Jahren
Noch nie hatten wir einen Jahrgang in den Weinbergen hängen, der so außerordentlich gesunde Trauben überalle Rebsorten hinweg zeigte! Das wird wohl in die Geschichte des Weinbaus eingehen.

Das lag wohl am extrem trockenen August, nur 28l Regen im ganzen Monat, was zur Folge hatte, dass die Beeren kleiner und mit härterer Schale als in “ normalen“ Jahren waren. Somit auch wiederstandsfähiger gegen Pilze wie Botrytis und Essigfäule. Man musste wirklich lange Suchen, bis man mal eine faule Beere in der Reihe fand. Zum Vergleich: im Jahr 2011 regnete es 129 l im August!
Somit stand einer relaxten Lese nichts im Weg! Tag für Tag ernteten wir die frühen Sorten, nutzen dann die schönen Tage und begannen am 24. September mit der Hauptlese.
Ein neues Phänomen in diesem Jahr: in vielen Regionen mit leichten Sandböden rutschten die Weinsäurewerte der Trauben in einen Bereich unter 6 °/oo – dies hat zur Folge, dass der Most mikrobiologische Probleme bekommen kann –Das Ministerium für Weinbau lies die Säuerung von Most mit Weinsäure per Eilentscheidung zu. Aber auch hier zeigt unsere Region wieder “ Stärke“ – durch die höhergelegenen Lagen rund um unser Weingut, kam es bei uns nicht zu diesen Problemen, ganz im Gegenteil, die Säurewerte sowie die Öchslegrade der Trauben sind und waren einfach PERFEKT ! – anders kann man es nicht sagen.

Fast alle Weißen Sorten ernteten wir bei Dunkelheit in den frühen noch kühlen Morgenstunden ( wie in Südafrika!) um kalte Trauben für eine lange Maischestandzeit zu gewinnen. Traubeneigene Enzyme lösen dabei viele Aromastoffe aus den Schalen, die Weine werden somit noch aromatischer, die typische Frucht wird ausgeprägter. Unsere Huxelrebe 100° Ö, stand 12 Stunden entrappt auf der Presse, bevor Wir den Pressvorgang starteten. Das Ergebnis ist ein außergewöhnlich fruchtiges Aroma, auf das wir uns in diesem Jahr bei allen Weinen schon freuen können. Die liebliche Spätlese wird schon bald gefüllt.

Dieses Jahr durfte Ich in dem neuesten Trauben – Vollernter Modell der Firma ERO meines Freundes und Winzerkollegen Erik Henkel bei der Lese unseres Cabernet am Bockenheimer Sonnenberg mitfahren: Vollklimatisierte Kabine, super Radio Sound, aber der Oberhammer ist die automatische Lenkung innerhalb der Rebzeile. Ich staunte nicht schlecht, als er mit „beiden Händen erzählte“ und mir erklärte, wie sich die Maschine mit Sensoren an den Rebstöcken orientiert. Die Maschine läuft innerhalb der Reihe ohne zu Lenken und erntet die Trauben, was man durch den im Boden befindlichen Glasboden aus 4,50 m Höhe aus dem „Cockpit“ beobachten kann. Erst beim Wenden am Ende der Zeilen muss man wieder das Lenkrad in die Hände nehmen.

Ein Grund für die hohe Qualität unserer Weine, ist die schonende Verarbeitung, die gekühlte Gärung im Edelstahl tut Ihr weiteres dazu. Denn nur aus einem geschmacklich einwandfreien und hochwertigen Saft lässt sich ein hochwertiger Wein machen. Mit neuester angeschaffter Filtrationstechnik und einer dazu passendenDruck- und frequenzgesteuerter Pumpentechnik ( Innovationspreis 2012) sind wir nun in der Lage noch besser die Säfte zu filtrieren und die Weine bei gewünschten Restzuckerwerten aus der Gärung zu nehmen.

Hier nun mal einige Werte aus der Wochen vom 1. – 5. Oktober 2012:
Chardonnay: 99 ° Ö bei 8 °/oo Säure
Pinot Noir: 95 ° Ö bei 8,5 °/oo Säure
Heroldrebe 83 ° Ö bei 8,5 °/oo Säure
Cabernet Dorsa: 98 ° Ö bei 7,5 °/oo Säure
Spätburgunder: 99 ° Ö bei 8 °/oo Säure

Diese Woche haben wir alle Rieslinge ( Burgweg, Vogelsang und Sonnenberg) geerntet, auch die Scheurebe und der Dornfelder ist im Keller! Insgesamt ernteten wir in den 4 Tagen von Montag bis Donnerstag über 20.000 l! Mit der Hand und ohne die moderne und ausgereifte Verarbeitungsmöglichkeit wäre dies noch vor unserem großen Umbau im Jahre 2004 undenkbar gewesen. Und es zeigt sich mal wieder: etwas Mut, Nerven bewahren und dann Ernten bevor der Wetterumbruch kommt! Heute (14.10.) hat sich Dauerregen ausgebreitet, und die Prognose für nächste Woche sieht alles andere als gut aus – aber Wir sind fertig mit der Ernte. Gott sei Dank.

Hier nun mal einige Werte aus der Wochen vom 8. – 12. Oktober 2012
Dornfelder: 80 ° Ö bei 8 °/oo Säure
Scheurebe: 85 ° Ö bei 8,0 °/oo Säure
Riesling – Burgweg 90 ° Ö bei 9,0 °/oo Säure
Spätlese Riesling – Vogelsang: 90 ° Ö bei 8,5 °/oo Säure
Spätlese Riesling – Sonnenberg: 93 ° Ö bei 9,5 °/oo Säure 24 Stunden Kaltmazeration bei 5 °C!

Rotweine ernteten wir bei Temperaturen um die 20 °C, so gibt es keine Probleme mit dem Start der Maischegärung in unseren speziellen Gärbehältern. Sobald die Temperatur gegen 25 ° C steigt, muss mit dem Kühlen der Tanks begonnen werden. Beim Unterstemmen des Tresterhutes von Hand wird man von demphantastischen Duft vor allem vom Cabernet fast umgehauen! Echter Wahnsinn was einem da entgegenströmt. Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Arbeit könnte die Bildung eines Waschbrettbauchessein! Im Moment fühle Ich zwar einen heftigen Muskelkater im Bauchbereich, aber zum Waschbrett fehlen mir vermutlich noch einige Tanks mehr zum „trainieren“. Nach Beendigung der Gärphase wird die vergorene Rotweinmaische noch weitere Tage auf der Maische belassen, bis die gewünschte Tannin – Sensorik erreicht ist ( Die tägliche sensorische Kontrolle dieses Vorgangs zählt zu den beliebten „Arbeiten“.) danach sollte täglich 3 – 4 mal den immer wieder aufsteigenden Tresterhut nach unten gedrückt werden. Der Cabernet wird dann in der nächsten Woche gekeltert. Auf stolze 14,5 Vol% hat er es gebracht, ideal für ins Barrique.

Traumwerte bei sortenabhängig geringeren Mengen prägen den Jahrgang 2012. Das deutsche Weininstitut spricht von einer um etwas 10 % geringeren Ernte in Relation zu einem Standardjahr.

Für uns aber viel wichtiger: die Qualität stimmt! Freuen Sie sich mit mir darauf!

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