PHEROMONE ? Wie funktioniert das ?

Der Einsatz von Pheromonen ist eine relativ neue Methode Pflanzenschutz ohne Einsatz von Insektiziden zu betreiben. Er gilt der Bekämpfung des einbindigen und bekreuzten Traubenwicklers. Der Traubenwickler ist eine Motte, welche meist Ende April bis Mitte Mai in den Weinbergen fliegt, sich paart, ihre Eier an den „Gescheinen“ ( daraus bilden sich später die Trauben) ablegt. Aus den Eiern schlüpfen Würmer ( Heuwurm ) welche in dieser Phase nur eine Mengeneinbuße der späteren Ernte zur Folge hätte. Weitaus schlimmer ist die 2. Generation dieses Schädlings, denn die Würmer verpuppen sich, es schlüpfen neue Motten welche ihre Eier nun in die noch harten Trauben ablegen. Nun schlüpft der sog. Sauerwurm der eine Besonders große Gefahr darstellt. Durch sein Fressen an den Trauben zerstört er die Beerenhaut, die Trauben werden nun extrem Anfällig gegen Pilzkrankheiten ( Botrytis und Sauerfäule ) der Verderb des ganzen Weinberges kann die Folge sein, denn es kann sich Essig bereits im Weinberg bilden! Sie sehen nun wie weitreichend die Folgen solch kleiner fast unsichtbarer Würmer sein kann, und wie wichtig also die Bekämpfung ist!

Wie wirken nun die Pheromone ?
Pheromone sind Sexualduftstoffe welche nur auf eine ganz spezifische Art wirken. Das Traubenwickler Weibchen lockt mit Hilfe seines eigenen spezifischen Pheromons das Männchen an, es kommt zur Paarung und das Unheil nimmt seinen Lauf. Genau hier packt man nun das Problem. Dieses Pheromon wurde nun künstlich hergestellt, in kleine Ampullen ( Kunststoff – Dispenser ) abgefüllt, und nach einem ganz speziellen Raster flächendendeckend in den Weinbergen verteilt. Das Traubenwickler Männchen welches nun überall den Duft eines Weibchens wahrnimmt hat nun ein echtes Problem: Wo sind den nun die Weibchen ?
Man nennt diese Methode auch Verwirr – Methode …

Vorgehensweise:
Durch die Bildung sogenannter Anwendergemeinschaften ist gewährleistet, dass das Ausbringen der Pheromone gut organisiert Wird. Denn: Erfolg ist nur dann vorhanden, wenn zu einem ganz Bestimmten Termin die Ampullen in einem abgegrenzten großen Gebiet an den Reben verteilt werden. Pro Ampulle ( gefüllt mit ca. 1 ml ) sind etwa 20 qm abgedeckt. Insgesamt wurde in der Anwendergemeinschaft eine Fläche von etwa 250 ha mit ca. 150.000 Ampullen an einem einzigen Tag durch ca. 50 Winzer und Mitarbeiter abgehängt. Eine Leistung die sich – wie ich denke – sehen lassen kann. Für jeden viele tausende Schritte – für die Umwelt ein großer Schritt, denn auf Insektizid Einsatz zur Bekämpfung des Traubenwicklers kann nun verzichtet werden!

Jochen Kreutzenberger April 2003